Unter dem Titel „Von Rumaroma, PET bis Nylon – alles die gleiche Chemie?“ hat das Marianne-Weber-Gymnasium (MWG) in Kooperation mit der Technischen Hochschule OWL einen anspruchsvollen Chemie-Workshop angeboten. Die Veranstaltung ist Teil des Netzwerks Begabungsförderung der Bezirksregierung Detmold, das seit zehn Jahren besondere außerschulische Lernangebote für Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe organisiert.
Das über die Bezirksregierung koordinierte Netzwerk veranstaltet gemeinsam mit rund 20 Gesamtschulen und Gymnasien aus ganz Ostwestphalen-Lippe Workshops für besonders interessierte Jugendliche. Auf Empfehlung ihrer Lehrkräfte können sich junge Talente für das Förderprogramm anmelden und an Veranstaltungen in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik, Sprache oder musische Bildung teilnehmen. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam mit Gleichgesinnten zu forschen und zu lernen.
Die Netzwerkschulen bieten dabei eine Vielzahl anspruchsvoller Themen an – etwa Radio, Meeresbiologie, Bionik, Theater, Laserschnitt oder 3D-Druck. Judith Brinkmann, Ansprechpartnerin für Begabungsförderung am MWG, erläutert das Konzept: „An einem Workshop, den eine Schule anbietet, dürfen ein Drittel der eigenen Schülerinnen und Schüler und zwei Drittel von anderen Netzwerkschulen teilnehmen. So entsteht ein breit gefächertes Angebot in ganz Lippe, das den unterschiedlichsten Interessen entgegenkommt.“
Für die Durchführung engagieren die Schulen entweder externe Fachleute oder setzen auf eigene Lehrkräfte. Am MWG gestalteten Chemielehrer Olaf Göke gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. Henry Hildebrand und Stefanie Zilliken das Programm.
Im Mittelpunkt des Workshops standen zahlreiche Experimente: Die Teilnehmenden stellten unter anderem Aromastoffe, Kunststoffe, Nylon, Seife und Klebstoffe her. Ergänzt wurde die praktische Arbeit durch anspruchsvolle Theorieeinheiten, die deutlich über den üblichen Chemieunterricht der Mittelstufe hinausgingen. Dabei beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Veresterung – einer grundlegenden chemischen Reaktion, die sowohl bei Aromastoffen als auch bei Kunststoffen eine zentrale Rolle spielt.
Die 15 Teilnehmenden kamen aus verschiedenen Städten in Ostwestfalen-Lippe, darunter Lemgo, Paderborn, Bünde, Bielefeld, Gütersloh, Detmold, Horn-Bad Meinberg und Warburg.
Ein besonderes Highlight bildete der Besuch im Chemielabor der Technischen Hochschule OWL in Lemgo. „Hier bieten sich den Mittelstufenschülern Einblicke, die sonst eher Oberstufenschülern vorbehalten sind“, betonte Göke. Unter fachlicher Anleitung von Benjamin Weber und Benjamin Hellweg (Allgemeine Chemie) sowie den Auszubildenden Linus Behrens, Emily Rudenski und Kilian Kanne sammelten die Jugendlichen fundierte Erfahrungen in organischer Chemie und erhielten Einblicke hinter die Kulissen der Hochschule. Sie führten Experimente durch, die direkt an die zuvor erarbeiteten theoretischen Inhalte anknüpften. Mithilfe analytischer Verfahren konnten sie die chemischen Reaktionen praktisch nachvollziehen. Im Fokus standen unter anderem die Herstellung von Seife sowie die Umwandlung pflanzlicher Öle.
„Das macht jedes Jahr aufs Neue viel Freude“, erklärte Göke, der das Workshop-Format seit vielen Jahren begleitet.
Auch die Teilnehmer zeigten sich begeistert. Jonas Krebs (16) vom MWG lobte vor allem den Praxisbezug: „Wir arbeiten mit ganz anderen Messgeräten und Utensilien als im normalen Schulbetrieb. Die Themen gehen weiter in die Tiefe, sind aber trotzdem altersgerecht erklärt. So bekommen wir Einblicke in Inhalte, die über den regulären Unterricht hinausgehen, und können eigene Interessenschwerpunkte setzen.“
(Text und Fotos: T. Krügler)


