Marianne-Weber-Gymnasium Lemgo

Teilnahme an VorbilderAkademie

Die "VorbilderAkademie" ist ein zusätzliches Bildungsangebot der Initiative "Bildung und Begabung" und richtet sich an  Jugendliche mit Migrationshintergrund. Sie unterstützt Jugendliche mit Migrationshintergrund, individuelle Bildungswege zu entdecken und herauszufinden, welche Möglichkeiten ihnen offen stehen. Das Angebot richtet sich an Schüler der 9. und 10. Klasse aller Schulformen. Vorbilder mit Migrationshintergrund berichten während der Akademie, wie sie ihren Weg gemeistert – und dabei auch Schwierigkeiten überwunden haben. 

Meine Teilnahme an der „VorbilderAkademie“ 2018

Von Alice Ali

Vom 07.07.2018-14.07.2018 habe ich an der VorbilderAkademie Mitte in Ilbenstadt teilgenommen, bei der noch über 40 andere Jugendliche mit Migrationshintergrund waren.

Durch einen Flyer, der in der Schule erhältlich war und den ich von meiner Klassenlehrerin erhielt, stieß ich auf diese Akademie. Im Internet meldete ich mich dann bei dem Bewerbungstool an und lud die Unterlagen herunter. Dort musste ich Fragen über meine Hobbys und meine Motivation beantworten. Außerdem verfasste Frau Malinowski als meine Klassenlehrerin ein Empfehlungsschreiben. Schließlich konnte ich die gesamte Bewerbung online absenden. Mitte Juni erhielt ich dann einen schriftlichen Brief mit der Zusage und weiteren Informationen bzw. Regeln der Akademie. Ich musste schließlich noch eine Karte mit persönlichen Informationen ausfüllen und als Bestätigung an die Organisatoren zurückschicken. Eine Woche vor Schulende ging es dann endlich los.

Es war eine wunderbare Woche, in der ich und die anderen Teilnehmer zahlreiche neue Erfahrungen sammeln konnten.

Vormittags fanden für ca. dreieinhalb Stunden die verschiedenen Kurse statt. Es gab vier davon, nämlich Elektro- und Informationstechnik, Neurowissenschaften, Rechtswissenschaften und Maschinenbau. Mein Kurs war Rechtswissenschaften und der Kursleiter ist Jurastudent, arbeitet aber auch in einer Kanzlei und konnte somit vom Arbeitsleben erzählen. Insgesamt nahmen 10 Leute an diesem Unterricht teil, der aber ganz anders als in der Schule gestaltet war. Wir haben verschiedene Themen besprochen, dabei hat mir besonders gefallen, dass wir unsere Meinung offen äußern konnten und viel diskutiert haben. Einige Leitfragen waren z. B.: „Warum gibt es Strafen?“ oder „Was haltet ihr von der Todesstrafe?“

An zwei Abenden in der Woche besuchten uns Menschen, die Vorbilder für uns und andere sein können, z. B. eine Unicef-Aktivistin und Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen. Mit diesen konnte sich jeder dort unterhalten und sie haben auch geduldig Fragen beantwortet.

Außerdem fanden nachmittags immer verschiedene Workshops statt, die von den Teilnehmern selbst angeboten und organisiert wurden. Ich selbst habe einen Schachworkshop angeboten. Andere Leute boten z. B. Volleyball oder Akrobatisches Yoga an. Am Dienstag fand dann der Abend der Kulturen statt. Gemeinsam mit vier anderen Syrern präsentierte ich das Land Syrien. Außerdem lernte ich viel über verschiedene Kulturen und Länder der anderen Teilnehmer.

Zwei Tage später fuhren wir gemeinsam zur Uni nach Gießen, wo wir zuerst Informationen über verschiedene Studiengänge bekommen haben. Anschließend gab es zwei Möglichkeiten: Entweder man besuchte den Präpariersaal mit einem Anatomiedozenten oder man besuchte eine Rechtswissenschaftsvorlesung. Ich entschied mich für Anatomie. Bevor der Dozent uns in den Präpariersaal führte, musste jeder einen Kittel anziehen. Als wir reinkamen, lagen mehrere Leichen auf den Tischen, davon waren einige zugedeckt. Wir konnten anhand zweier Leichen die Muskeln von Menschen sehen und wir durften auch ein Gehirn mit seinen verschiedenen Teilen betrachten. Anschließend zeigte uns der Dozent ein menschliches Herz. Am Nachmittag standen uns erneut zwei Möglichkeiten offen: das Mathematicum oder der Botanische Garten. Ich entschied mich für das Mathematicum, in dem verschiedene mathematische und physikalische Phänomene spielerisch dargestellt wurden.

Abends setzten wir uns schließlich zum letzten Vorbilderabend zusammen. In einer gemütlichen Atmosphäre mit Decken und Kerzen bekamen wir Zettel mit verschiedenen Aussagen, die wir danach ordneten, wie wichtig sie für uns sind, z. B. Karriere machen oder eine Familie gründen. Anschließend schlossen wir alle die Augen und jeweils drei Leute standen auf. Eine Teamerin sagte etwas wie z. B. „Wer hat mir geholfen?“ oder „Von wem habe ich etwas gelernt?“. Die stehenden Teilnehmer tippten dann die Personen an, auf die diese Aussage zutraf. Als jeder einmal dran war, durften alle die Augen öffnen und wir genossen noch die schöne Atmosphäre. Dabei flossen auch einige Tränen, da niemand wahrhaben wollte, dass die Woche schon fast zuende war.

Am letzten Tag fand dann die Abschlusspräsentation statt, bei der auch Eltern und Freunde der Teilnehmer und Leiter anwesend waren. Jeder Kurs stellte seine Ergebnisse vor und zwischendurch spielte auch der Musikworkshop einige Lieder, die ich auf dem Klavier begleitete.

Insgesamt war es also eine erlebnisreiche und unvergessliche Woche, in der ich auch viele neue Freundschaften geschlossen habe.